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Praktisches Beispiel: Break-Even für ein Einzelhandelsgeschäft

Wie du anhand eines realen Beispiels die Break-Even-Analyse konkret umsetzt und dein Geschäft profitabel machst.

8 Min Lesezeit Mittelstufe Februar 2026
Nahaufnahme von Händen beim Berechnen mit Taschenrechner und Finanzunterlagen auf einem Schreibtisch

Vom Zahlenwerk zur Geschäftsstrategie

Die Break-Even-Analyse ist kein trockenes Rechenwerk, das nur Buchhalter interessiert. Für Einzelhandelsgeschäfte ist sie essentiell, um zu wissen, wann du tatsächlich Gewinn machst. Statt abstrakt über Formeln zu sprechen, zeigen wir dir ein reales Szenario: einen Sportartikel-Shop mit 85 Quadratmetern Fläche im Stadtzentrum.

Dieses Beispiel funktioniert für viele Einzelhandelstypen — ob Kleidungsboutique, Buchhandlung oder Elektronik-Fachgeschäft. Die Logik bleibt dieselbe, nur die Zahlen ändern sich. Lass uns gemeinsam durchrechnen, welche Kosten relevant sind und wie viele Verkäufe dein Shop brauchst, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Moderner Sportartikel-Shop mit großen Fenstern, gut beleuchteten Regalen mit verschiedenen Produktkategorien und professioneller Ladeneinrichtung

Unser Beispiel-Shop: Die Ausgangssituation

Stell dir vor, du eröffnest einen kleinen Sportartikel-Shop. Die monatlichen Fixkosten sind relativ überschaubar: Miete kostet 2.400 Euro, Versicherung und Nebenkosten zusammen etwa 600 Euro, und für eine Verkäuferin zahlst du 2.200 Euro brutto. Das sind zusammen 5.200 Euro Fixkosten pro Monat, die anfallen, egal ob du an einem Tag einen einzigen Euro Umsatz machst oder gar keinen.

Die variable Kosten für jeden Artikel liegen bei etwa 35 Prozent des Verkaufspreises. Das heißt: Wenn du einen Trainingsanzug für 80 Euro verkaufst, kostet dich die Ware selbst 28 Euro. Die restlichen 52 Euro sind dein Rohgewinn, den du aber noch für die Fixkosten aufbringen musst.

Detaillierte Ansicht eines Shop-Kassenbereichs mit Registrierkasse, Verpackungsmaterial und einer Verkäuferin die einen Kunden bedient

Die Break-Even-Berechnung Schritt für Schritt

01

Fixkosten sammeln

Du addierst alle Kosten, die monatlich anfallen, unabhängig vom Umsatz. In unserem Fall: 5.200 Euro.

02

Deckungsbeitrag ermitteln

Der Deckungsbeitrag pro Artikel ist der Verkaufspreis minus variable Kosten. Bei 80 Euro Verkaufspreis und 28 Euro Wareneinsatz: 52 Euro Deckungsbeitrag.

03

Break-Even-Menge berechnen

Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag pro Artikel: 5.200 Euro 52 Euro = 100 Artikel pro Monat. Das ist deine Gewinnschwelle.

Das Ergebnis: Dein Shop muss mindestens 100 Artikel pro Monat verkaufen, um kostendeckend zu arbeiten. Das sind etwa 3-4 Verkäufe pro Tag (bei 25 Öffnungstagen).

Aber: Das ist nur die halbe Wahrheit

Die 100 Artikel sind mathematisch korrekt, aber in der Praxis brauchst du etwas Spielraum. Nicht alle Tage sind gleich profitabel. Manchmal verkaufst du an einem Samstag 15 Artikel, an einem Dienstag vielleicht nur einen. Hinzu kommen unerwartete Kosten: ein defekter Kühlschrank in der Verkaufszone, eine Reparatur am Schaufenster, zusätzliche Marketingausgaben.

Erfolgreiche Einzelhändler rechnen daher nicht nur bis zur Break-Even-Menge, sondern definieren sich ein Zielverkaufsvolumen, das 20-30 Prozent über der Gewinnschwelle liegt. In deinem Fall wären das dann etwa 130 Artikel pro Monat, um ein komfortables Gewinnpolster aufzubauen.

Shop-Inhaber schaut nachdenklich auf einen Laptop mit Verkaufszahlen und Tabellenkalkulationen, umgeben von Notizen und Analysen

Wie du deine Break-Even-Menge verbesserst

Deckungsbeitrag erhöhen

Verhandle mit deinen Lieferanten über bessere Einkaufspreise. Senkst du die variablen Kosten von 35 auf 30 Prozent, sinkt deine Break-Even-Menge auf etwa 80 Artikel — eine Ersparnis von 20 Verkäufen pro Monat.

Durchschnittlicher Verkaufspreis steigern

Wenn du durch bessere Produktauswahl oder Bundling den Durchschnittspreis von 80 auf 100 Euro erhöhst, steigt dein Deckungsbeitrag auf 65 Euro. Die Break-Even-Menge fällt dann auf 80 Artikel.

Fixkosten senken

Das ist oft schwierig, aber möglich. Eine geringere Ladenmiete (etwa 1.900 statt 2.400 Euro) senkt die Gesamtfixkosten um 500 Euro. Deine Break-Even-Menge fällt dann auf 90 Artikel.

Mehrere Maßnahmen kombinieren

Wenn du alle drei Strategien kombinierst — bessere Einkaufspreise, höhere Verkaufspreise und niedrigere Miete — sinkt deine Break-Even-Menge auf etwa 60 Artikel. Das ist realistisch erreichbar.

Was dieses Beispiel dir wirklich zeigt

Die Break-Even-Analyse für deinen Sportartikel-Shop macht etwas Fundamentales sichtbar: Du brauchst nicht Tausende von Verkäufen, um profitabel zu sein. Mit nur 100 verkauften Artikeln pro Monat deckst du bereits alle deine Kosten. Das sind etwa 4-5 Verkäufe pro Arbeitstag — eine erreichbare Zahl für einen gut positionierten Shop.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie wichtig jeder Cent bei den Kosten ist. Eine Miete-Reduktion von 500 Euro erspart dir 10 Verkäufe. Eine bessere Einkaufsquote erspart dir weitere 20. Das ist kein Detail — das sind Verkäufe, die du sonst hätte generieren müssen. Deshalb ist die Break-Even-Analyse das perfekte Werkzeug, um deine Geschäftsstrategie zu überprüfen und zu optimieren.

Tabellenkalkulationsblatt auf einem Monitor mit Break-Even-Berechnungen, Diagrammen und Gewinn-Verlust-Analysen in übersichtlicher Anordnung

Hinweis zu diesem Beispiel

Dieses Beispiel soll dir zeigen, wie die Break-Even-Analyse praktisch funktioniert. Die Zahlen sind realistisch, aber natürlich je nach Region, Branche und Geschäftsmodell unterschiedlich. Deine tatsächlichen Fixkosten und variablen Kosten können abweichen. Diese Informationen ersetzen nicht die Beratung durch einen Steuerberater oder Geschätsberater. Nutze dieses Beispiel als Lernhilfe und Grundlage für deine eigenen Berechnungen.